Alone.

diary about past guestbook exit
Kleiner Fanfiction so zwischendurch...

Es regt mich echt auf, dass ich immer noch nicht checke, wie man Zusatzseiten anschafft..... -.- Ok, dann muss das hier halt mit reingequetscht werden.... Mir war mal langweilig und Leute, die Gilmore Girls kennen, werden bestimmt wissen, worum es da geht... (aber hey, es ist von mir, von mihir^^)

Kein Lebwohl, ein Aufwiedersehen




Kraftlos lag er in seinem Bett. Die Wohnung war leer und kalt. In der Luft hing ein Gemisch aus milchigem Nikotinrauch und Schwefel. Abgebrannte Streichhölzer hinterließen ihren schwefeligen Duft. Seine dunklen Augen überflogen den Raum. Er war stolz auf sein Apartment. Es war nur ein Raum, aber es war sein Eigen. Niemand konnte ihm hier mehr reinreden. Ihm sagen, wann er was zutun hatte, was er lassen sollte. Er war frei. So frei wie er immer hatte sein wollen. Warum war er dann nicht glücklich?
Die Bilder in seinem Kopf verschwammen. Wann war er das letzte Mal wirklich glücklich? Tage verstrichen in seinen Erinnerungen, nein er war seit Monaten nicht glücklich gewesen. Nicht eine Sekunde lang war sein Leben so, dass es ihn mit stolz erfüllte. Ja, er hatte einen Job, konnte sich seine Wohnung leisten. Aber war es alles? Konnte er nicht mehr vom Leben erwarten? Seine Mutter hatte immer gesagt: „Leben ohne Liebe ist kein Leben.“ Sie hatte wohl ausnahmsweise einmal Recht. Sehnsucht durchflutete ihn. Sehnsucht nach seiner Mutter? Nein. Seine Mutter fehlte ihm manchmal. Aber er konnte ohne sie leben. Er wollte ohne sie leben. Er brauchte Liz nicht. Er brauche auch Luke nicht.
Luke.
Wenn er an ihn dachte, kam er dem Schmerz schon näher. Aber er war immer noch nicht angekommen. Lag es an Stars Hollow? Vermisste er die kleine Gemeinde, die ihn schließlich doch noch aufgenommen hatte, nicht zuletzt dank .... Jetzt stach der Schmerz zu. Sein Herz sackte zusammen.
Rory.
Daher kam der Schmerz. Er dachte an die letzte Zeit mit ihr. An die letzte Begegnung im Bus. Sie war auf dem Weg in die Schule. Ahnungslos verabschiedete sie sich von ihm. Ob sie wusste, dass sie ihn das letzte Mal gesehen hatte? Ob es ihr weh getan hatte, als er nicht mehr zurück kam? Oft hatte er versucht mit ihr zu sprechen. Sie angerufen. Sie nahm ab, aber seine Stimme versagte. Er konnte es nicht. Die Worte wollten nicht über seine Lippen. Jede Silbe weigerte sich mit aller Macht dagegen. Unmöglich auch nur einen Konsonanten auszusprechen. Er war allein in seinem Apartment. Aber er hatte nicht das Gefühl, allein zu sein. Seit er Rory das erste Mal gesehen hatte, war er nicht mehr alleine. Sein Herz gehörte zu ihr. Und mit seinem Herz auch er selbst. Sein Verstand, sein Denken, seine Gefühle. Alles war an sie geknüpft. Was war mit seinem Freiheitsgeist passiert? Sein Leben lang wollte er allein und unabhängig sein. Und was war die Realität? Die unbarmherzige Wahrheit sah um einiges anders aus. Seit er Stars Hollow verlassen hatte trieb ihn eine fremde Macht von Ort zu Ort, lies ihn überleben aber nicht leben. Kein Mädchen auf der Straße der großen Stadt hatte es geschafft ihm auch nur ein Lächeln abzuwringen. Er geizte nicht nur mit Lächeln, er geizte mit allem. Wann hatte er das letzte Mal ein Mädchen geküsst? Spürte weiche Lippen wie Samt auf seinen? All die Liebe die in jedem guten Liebesroman gepriesen wurde, gab ihm nur Rory. Sie war nicht da. War seit Monaten weg. Und doch bestimmte sie sein Leben. Sein Denken. Sein Fühlen. Seine Träume. Sie trat einfach in sein Leben ohne da zu sein. Wie sie es machte? Er wusste es nicht. Oder war es nur seine Fantasie die mit ihm durchging? Wurde er langsam verrückt vor Sehnsucht? Eigentlich war nicht sie weg. Sondern er. Schmerzhaft versuchte sein Verstand sein Herz daran zu erinnern, dass er es war, der sie verlassen hatte. Verlassen ohne einen Ton, ohne Erklärung. Ohne Entschuldigung. Konnte er es jemals wieder gut machen?


„Wenn du Schmerzen hast,
denk an mich
ich heile dich
ich liebe dich“


Tränen suchten erbarmungslos den Weg in die Freiheit. Das Salz in seinen Augen ignorierte seinen Verstand der ihn anherrschte. Er weinte nicht. Warum auch? Sein Leben war perfekt. Er hatte keinen Grund traurig zu sein. Er hatte einen Job, nicht einmal einen schlechten. Er hatte eine Wohnung. Und er hatte immer noch seine Bücher. Warum sollte er sich beklagen? Jeden Tag bekam er genug zu essen. Er schielte durch die Jalousie. Die Sonne war bereits aufgegangen. Es war Zeit aufzustehen. Heute war zwar Sonntag, aber wen kümmerte es schon, dass es erst 8 Uhr morgens war? Er war ja alleine, war frei. Konnte tun was er wollte...
Er pellte sich aus der leichten Decke und zog seine Jeans über. Mit nacktem Oberkörper lief er ins Bad. Unterwegs schnappte er sich die Zigarettenschachtel und steckte die erste Zigarette des Tages vor dem Spiegel an. Sie hatte es gehasst, wenn er rauchte. Aber sie war nicht hier. Sie war nicht mehr wichtig. Sie sollte nicht mehr wichtig sein.
Er fragte sich, wie gut er sich selbst heute davon überzeugen konnte, nicht von ihrer Liebe abhängig zu sein. Aber es gab keine Liebe mehr für ihn. Sie hatte ihm ihre Liebe entzogen. Ohne Rücksicht auf sein verblutendes Herz... HALT sagte er seinem Herzen. Du hast sie verlassen. Du hast ihr deine Liebe entzogen. Sie hat nur entsprechend reagiert.
Als er eine handvoll Gel in seinen langen Haaren verteilt hatte, sah er noch einmal in den Spiegel.
„Volltrottel“ sagte er dem Spiegelbild ins Gesicht und beeilte sich aus dem Bad zukommen. Denn er spürte den Drang in seiner rechten Faust auf das Gesicht im Spiegelbild zu schlagen.


„egal wohin du gehst,
wie viele Meter uns trennen
du wirst mich nicht vergessen“


Genervt verlies er seine Wohnung und stand mitten im Trouble der großen Stadt. Der Stadt seiner Träume. Schon als Kind war es sein Traum gewesen, hier zu leben. Nun stand er hier, war erwachsen und sein eigener Herr. Starrte auf die trostlose Straße und fand nicht den Schutz den er suchte.
Um diese Zeit war es noch nicht so laut auf den Straßen. Die Autos hetzten über die Straße aber die Fußgänger waren langsam und abzählbar. Sein Blick schweifte über die Passanten.
Beide Augen blieben an einem Mädchen hängen. Lange dunkelbraune Haare zierten ihre zierliche Schultern und ihren weißen Schal. Zarte Riemchen Sandalen schmückten ihre langen hellen Beine.
Rory! Durchzuckte es ihn. Er fing an zu laufen. Lief so schnell er konnte ihr hinterher. Überholte sie wie zufällig und sah enttäuscht in grüne Augen.
Sie war es nicht. Wieder nicht. Er kannte das Spiel. Zu oft hatten seine Augen ihm einen Streich gespielt und ihn Rory sehen lassen, an Stellen wo sie nicht war. Rory konnte nicht hier sein .Sie war sicher in Yale. Hatte einen neuen Freund, war vielleicht sogar wieder mit Dean zusammen. Zumindest verschwendete Rory sicher keinen Gedanken mehr an ihn. Warum auch? Er hatte sie verlassen...gab ihr dass Gefühl seiner Liebe nicht gerecht zuwerden und nicht genug zu sein. Dabei war er es doch, der nicht gut genug war... Kurz dachte er an die Stars Hollow Highschool. Nicht einmal den Abschluss hatte er geschafft. Er lief weiter und betrat seinen Arbeitsplatz. Für die nächsten Stunden konnte er Rory vergessen. Zumindest bis zur ersten Pause. Er zog seine Arbeitskleidung an.


„je mehr zeit vergeht,
desto mehr meine ich dich zu verstehen.
Lerne dich kennen,
hab dich früher nie gesehen“


Geschafft hängte er seine Schürze an ihren Haken. Verlies das Cafe. Nach einer 8 Stunden Schicht sehnte er sich nur noch nach einer heißen Dusche. Auf dem Weg zurück zu seinem Apartment sah er eine wasserstoffblonde Frau vor sich. Die gezierte Art zu laufen und der gleichgültige Blick erinnerten ihn an Shane.
Shane.
Er musste lachen, ob er wollte oder nicht. Diese Frau...Er schüttelte den Kopf. Liebe. Nie kam ihm dieses Wort in den Sinn, wenn er sie küsste oder sie anschaute. Er wusste, dass er sie nur benutzt hatte, um Rory doch noch für sich zu gewinnen. Aber es war okay, mehr als Sex wollte Shane doch sowieso nicht. Für mehr war sie wohl auch kaum im Stande
STOP Er dachte schon wieder an Rory. Monatelang ging dass schon so... Er musste endlich was ändern. Sie vergessen. Oder entgültig um sie kämpfen. Jetzt fiel eine Entscheidung. Er würde kämpfen! Er stand mitten im tobendem Leben der großen Stadt. Die Sonne fiel in sein Gesicht und die Menschen um ihn herum rempelten ihn an und stoßen ihn auf die Seite.
Es kümmerte ihn nicht. Er wusste nicht woher der Mut auf einmal kam. Aber er beschloss ihn zu nutzen, bevor er ihn genauso schnell wie er gekommen war, wieder verlies.
Auf nach Stars Hollow, dachte er und rannte die letzten Meter in seine Wohnung.


„irgendwann kommst du zurück,
wirst mir alles erklären,
ich werde warten.
Ich lasse dich nicht gehen,
werde dich wieder sehen
und mit dir gehen.“


Rory legte ihren Füller hin. Las noch einmal den Brief an Jess durch. Sie wusste nicht, der wievielte Brief das jetzt war. Zerknüllte ihn und warf ihn in den Papierkorb. Jess kommt nicht zurück, er hat dich verlassen. Finde dich damit ab. Sie schlüpfte ins Bett, schlug ein Buch auf und fing an zu lesen. Doch irgendwie brachte sie es dieses Mal nicht fertig vollständig in die Welt der Geschichten und Fantasieträume einzutauchen. Der Schmerz hatte sie beim bloßen Gedanken an seinen Namen wieder erfasst, fraß sich nun in ihre Gefühle und kontrollierte sie ohne jede Hemmung. Entnervt klappte Rory das Buch wieder laut knallend zu, stand auf und tapste in die Küche. Ihr Blick wanderte zu der Hello-Kitty-Uhr an der Wand, die peinlich pink und das Heiligtum ihrer Mutter Lorelai war. Es war 3 Uhr in der Früh. Sie seufzte. Noch konnte sie sich selbst daran hindern, ihren Wunsch zu schlafen mit ihrem Lebenselexier zerplatzen zu lassen. Aber dann schob sie den Gedanken ,wieder zurück ins warme Bett zu kriechen, beiseite, setzte Wasser auf und streute eine große Ladung an Kaffeepulver in eine Tasse. Rory hielt kurz inne, dann lächelte sie und füllte noch eine zweite Tasse mit dem Pulver. Als das Wasser heiß war, goss sie es in die Tassen, verrührte das Pulver und wartete. Eine Weile geschah nichts. In dem gemütlichen Häuschen, in dem Rory schon ewig wohnte blieb es still. Dann hörte sie im Zimmer über ihr das Quietschen von einer Matratze, nackte Füße huschten über den Flurteppich, tasteten sich im Dunklen die Treppe hinun-ter und Lorelai Gilmore betrat im Micky-Maus-Pyjama und zerzaustem Haar die Küche.
Rory musste triumphierend grinsen: „Guten Morgen auch!“
„Morgen?“ Lorelai äugte erst ihre Tochter an, dann sah sie aus dem Fenster, wo sie nichts Groß-artiges außer Dunkelheit, Finsterniss und Schwärze erkennen konnte und wand sich wieder an Rory. „Mag sein, dass die Uhr ´Morgen´anzeigt, meine innere Uhr sagt mir, dass es Nacht ist und man in der Nacht... was tut?“
„Schlafen?“
„FALSCH... der Kanidat bekommt noch eine Chance, die Gratis-Reise ins sonnige Hawaii zu ge-winnen oder er verliert 50 Punkte... also?“
„Man trinkt Kaffee?“
„Braves Kind... Mami ist stolz auf dich!“
Zufrieden hockten sich beide an den Tisch, nippten an ihrem heißen Kaffee und seufzten selig auf.
„Also, Honey, was ist los?“ Lorelai lächelte freundlich und kratzte sich am Kopf.
„Was soll sein?“, fragte Rory unschuldig, nahm den Löffel und rührte gelassen in ihrer Tasse herum.
„Ach, komm... erzähl mir kein Sience-Fiction.. sonst bin immer ich die, die Mitternachts-Kaffee macht und dich aus deinem heiligen Schlaf reißt.. wir haben immer nur dann die Rollen getauscht, wenn der andere nicht schlafen konnte, weil ihn irgendwas bedrückt.. also spuck´s aus..“
Rory riss die Augen auf: „Ich kann doch jetzt nicht einfach auf den Tisch spucken !?!“
„Lorelai Gilmore, ich bitte darum, den Ernst der Lage nicht außer Acht zu lassen!“, sagte ihre Mutter und äffte dabei die Stimme von Grandma, Emily Gilmore detailgenau nach.
„Mom, mir geht´s gut.. ich konnte einfach nicht schlafen und hatte Lust auf einen Kaffee.. und wenn du nicht so einen überdimensionalen Riecher für Koffein hättest, dann wäre ich jetzt auch schon längst wieder im Heiabettchen..“
„Sagst du...“
„Sag ich!“
Eine Weile wurde Rory mit einem misstrauischem Blick durchbohrt, dann gab es ihre Mutter auf, trank ihren Kaffee auf ex und stellte die leere Tasse in die Spüle. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht deutete auf eine langsam wiederkehrende Müdigkeit. Ein Wunder, wo der Kaffee doch so stark war... Rory jedenfalls war hellwach, doch sie hatte das Gefühl, dass das weniger an dem braunen Gebräu, sondern eher an dem Schmerz lag, der ihr immer noch all ihre Gefühle durcheinander wirbelte.
„Ich such mir dann mal ein passendes Outfit für mein Date mit dem Sandmännchen..“ Lorelai gähnte, sah an sich herunter und riss bei dem Anblick ihres Pyjamas überrascht die Augen auf. „So was... ich hab´s ja schon an..“
„Und täglich grüßt das Murmeltier!“, gab Rory grinsend ihren Senf dazu.
„Gute Idee, den hamm wir schon ewig nicht mehr angeschaut... also, überleg dir in deinen Träumen noch ein paar gute Kanidaten für den morgigen DVD-Ausleih.. ich hau mich jetzt wieder ins Bett... solltest du auch machen!“
„Keine Sorge... schlaf gut!“
„Schlafen? Zeitverschwendung... ich hab schließlich ein Date..“ Lorelai lächelte nochmal und ver- ließ dann die Küche, um wieder in das Stockwerk über ihr zu schleichen.
Obwohl das ja eher unnötig war, weil sonst ja außer den beiden keiner im Haus war....
Rory zuckte mit den Achseln, spülte ihre und Lorelai´s Tasse ab, löschte das Licht und tapste wieder in ihr Zimmer. Ihr Blick fiel auf die zerknüllten Briefe an Jess und sie schluckte den dicken Kloß, der sich in ihre Kehle hinaufgerobbt hatte mühsam wieder hinunter.
Was nutzte es schon zu weinen. Tränen würden ihn ihr auch nicht zurückbringen.
Sie sollte ihn eigentlich hassen, aber das hatte sie schon so oft versucht, ohne Erfolg. Sie wusste tief in ihr liebte sie ihn, doch das musste sie wohl einfach verdrängen.
Er hatte sie verlassen. Es war fast schon ein ganzes Jahr her, eine lange Zeit, aber Rory kam es wie gestern vor, wo sie ihn zum letzten Mal auf dem Weg in die Schule, in dem Bus gesehen hatte. Und auch wenn sie ihm vertrauen wollte, die Wahrheit war, dass sie geahnt hatte, dass er sie zurück lassen und zurück nach New York gehen würde. Sie hatte es innerlich gewusst, wollte es aber nicht wahrhaben. Sie hatte es nicht fertiggebracht, ihn zur Rede zu stellen.
Wenn er es gewollt hätte, hätte er es ihr ins Gesicht gesagt. Aber er hatte einfach auf heile Welt gemacht und Stars Hollow verlassen.
Eine kleine Träne lief ihr über das Gesicht, tropfte von ihrem Kinn zu Boden.
Na, toll. Energisch stampfte sie zu ihrem Bett, kroch unter die Decke und löschte das Licht in ihrer Nachttischlampe.
Das könnte ihm so passen... Sie schniefte nochmal. Dann schlief sie ein und tauchte hinab in ein Wirrwarr von verrückten Träumen.

„Achtung, Hände hoch, das ist ein Überfall... ich möchte sie bitten, umgehend das Bett zu ver-lassen und mir zu folgen... sie sind nun meine Geisel!“
Rory blinzelte. Hä? Eine Weile wusste sie nicht wo sie war. Eben hatte sie doch noch als Lara Croft mit dem Sandmännchen an ihrer Seite und einer Hello-Kitty-Uhr in der Hand gegen ein Schwarm Fliegen, die alle Jess´Gesicht hatten gekämpft.. Und jetzt?
Gähnend stand sie auf, sah sich um und ließ sich dann stöhnend wieder in ihr Kissen fallen.
„Mom, lass mich schlafen...“
Doch Lorelai dachte nicht daran, sondern zog ihrer Tochter erbarmungslos die Decke weg und gleich darauf auch noch ihr Kissen: „Los, zieh dich an... wir müssen uns beeilen.. ich will die erste sein, die seinen leckeren und flockigen, fruchtigen und süßen Belag verspeist!“
Rory wand sich ihrem Wecker zu: „10 Uhr? Mom, wir haben ausgemacht, in den Ferien bis Mittag auszuschlafen... du bist 2 Stunden zu früh hier..“
„Ja, ich weiß... los, nun steh schon auf.. heute ist Kirschkuch-Tag...“ Singend verließ Lorelai das Zimmer und Rory hörte sie „Highway to Hell“ gröhlend in der Küche rumhantieren.
Kirschkuch-Tag, natürlich... den genossen sie ja immer in vollen Zügen mit einer dampfenden Tasse Koffein und debattierten dabei mit voller Inbrunst mit Luke und den anderen.
Irgendwie verspürte sie heute nicht wirklich die Lust dazu. Schließlich erinnerte sie alles um sie herum an Jess... aber da musste sie wohl durch und am Ende würde Lorelai sie eh völlig von dem Thema, dass mit dem großen „J“ begann ablenken.
ACDC´s Nachfolgerin steckte den Kopf wieder in Rory´s Zimmer: „Hopp hopp!“

Sie gehörten zu den ersten Gästen im Diner. Außer Luke, Caeser, Andrew und Kirk war das von den Gilmore-Girls so heiß geliebte Café leer. Rory suchte sich einen Tisch am Fenster (was nicht schwierig war, dank der geringen Anzahl von Gästen), hockte sich hin und starrte abwesend auf ihre Hände, während Lorelai zum Tresen rauschte und fröhlich: „Schieb den Kuchen und das Gesöff rüber, Diner-Boy!“ schmetterte.
„Du glaubst doch nicht ehrlich, dass ich jetzt Männchen mache und wie ein braves Hündchen los flitze, oder?“, kam es von Luke spöttisch zurück.
„Das glaube ich nicht nur, ich weiß es... 100%ig... großes Gilmore-Ehrenwort!“ Lorelai langte sich feierlich ans Herz.
„Und was, wenn du dich geirrt hast?“
„Unmöglich.. eine Gilmore irrt sich nie...“
„Und was, wenn du dich wieder irrst?“
Lorelai schob die Unterlippe vor und setzte einen Hundeblick auf.
„Zweimal Kirschkuchen, zweimal Kaffee, Caeser!“, brüllte Luke in Richtung Küche.
Lorelai strahlte glücklich: „Sieg für die schlauen Power-Gilmores..“
„Mach bloß, dass du von meinem Tresen verschwindest..“, knurrte Luke, aber Lorelai zuckte nur unbeeindruckt mit den Schultern und gesellte sich zu Rory an den Tisch. „Was schaust du denn so trübselig aus der Wäsche, Kleines?“
Rory machte ein entschuldigendes Gesicht: „Hab schlecht geschlafen, tut mir leid..“
„Na, nach einem leckeren Frühstück bist du bestimmt gleich wieder putzmunter!“ Lorelai zwinkerte ihrer Tochter zu. „Ich bin mal kurz draußen, mit Sookie telefonieren..“
Das Handyverbot im Diner brav achtend zückte sie ihr Mobiltelefon und verschwand nach draußen, um eine kleine Telefonier-Runde zu gehen.
Luke tauchte neben Rory auf und stellte zwei Teller Kirschkuchen und Kaffetassen auf den Tisch, an dem sie saß. Dann musterte er sie prüfend: „Alles klar mit dir?“
Eine Weile sah sie ihn traurig an, dann lächelte sie leicht: „Klar...“
Luke nickte, blieb noch einen Moment ratlos stehen und meinte dann: „Rory, ich weiß, dass Jess -...“ Er hielt inne und starrte mit offenen Mund zur Tür. „Wenn man vom Teufel spricht...“
„Was denn...?“ Rory folgte seinem Blick und erstarrte. Ungläubig und gleichzeitig so unendlich ver-letzt starrte sie die Person an, die das Diner betreten hatte. Jess starrte stumm zurück.
Das kann nicht wahr sein, schoss es ihr durch den Kopf. Was wollte er hier? Eine weitere Frage kam ihr nicht in den Sinn. Ihr Kopf war auf einmal so leer und sie fühlte sich zerrissen, in viele kleine Teile, die tief in ihr kein Puzzle ergeben wollten.
„Was machst du denn hier?“ Luke hatte sich wohl wieder einigermaßen gefasst und richtete sich auf. „Und was soll die Tasche.. du willst doch nicht hier wieder....?“ Er brach ratlos ab.
Rory stand ruckartig auf, schnappte sich ihre Jacke und drängte sich wortlos an Jess vorbei, aus dem Café.
„Rory, bitte...“ Sein Ton klang bittend, seine Hand griff nach ihrem Arm, doch sie riss sich unwillig los und schrie: „Lass mich in Ruhe!“
Hastig fuhr sie herum und stiefelte mit schnellen Schritten über die Straße, vom Diner weg. Tränen liefen über ihr Gesicht, sie wischte sie unwillig weg, doch schon standen ihr wieder neue in den Augen.
Sie hörte, wie jemand ihren Namen rief, hörte, wie ihr Jess hinterher lief, spürte, wie er sie am Arm wieder packte und sie am Weglaufen hinderte.
„Bleib.. doch mal stehn...“, keuchte er atemlos.
„Wieso?“ Wütend riss sie ihren Arm zum zweiten Mal los und starrte ihn feindselig an. „Was willst du denn noch? Du musst mir nichts erklären.... das hast du ja beim letzten Mal auch nicht für nötig gehalten, oder?“
Er machte ein schuldbewusstes Gesicht: „Ich.. ich weiß, das war ein dummer Fehler... den ich auch bis jetzt jeden Tag bereut habe..“
Rory lachte ein kaltes, bitteres Lachen, dass sie zum ersten Mal von sich gab: „Ist ja nett von dir..“
„Rory... es tut mir leid.... es tut mir wirklich leid...“
„Ach, und du denkst, dass ich jetzt zufrieden bin und mich gerührt fühle, über deine Ehrlichkeit, die ein wenig spät kommt, wie?“ Sie schüttelte den Kopf. „Weißt du, ich habe wirklich an diesen Moment gedacht. Viel. Was würde Jess zu mir sagen, wenn ich ihn überhaupt wieder sehen würde? Er ist einfach weggegangen, keine Anmerkung, kein Anruf. Gar nichts. Wie könnte er das erklären? Und dann, ein Jahr vergeht. Kein Wort, nichts. Da konntest du keine gescheite Entschuldigung mehr haben, richtig? Ich habe mir bestimmt hundert Versionen davon aufgebaut wie es ist wenn ich dich wieder sehen würde und hundert verschiedene Endungen überlegt und ich bin wirklich neugierig, welche davon hier drauf zutrifft.“ Sie hielt endlich inne, um nach Luft zu schnappen.
„Wow..“ Jess starrte sie an und schien nach Worten zu suchen. „Mist, tut mir leid... ich hab genau so oft wie du an diesen Moment gedacht und mir sind so viele tolle Sätze eingefallen, die ich dir sagen wollte... aber jetzt... alles weg... scheiße!“ Er trat nach der Bank, die direkt neben ihnen stand.
Rory sah ihn stumm an, stumm und verletzt, aber auch ängstlich. Sie wollte nicht nachgeben. Sie war kurz davor, aber sie durfte nicht. Er würde ihr wieder wehtun und das würde sie nicht noch einmal verkraften.
„Alles was ich weiß ist....“ Jess wand sich ihr wieder zu und erst jetzt bemerkte Rory, dass er müde wirkte. Sehr müde. „..ist... das ich ständig an dich denke... und das ich dich überall sehe... ich dachte, ich könnte dich vergessen... aber... es ging nicht.... ich schaff es einfach nicht, dich aus meinem Kopf zu bekommen.. und langsam wird mir klar, dass.. ich dich gar nicht vergessen will...“
Er hielt hilflos inne und steckte dann die Hände in seine Hosentaschen.
Sie begann leise zu weinen, versteckte ihr Gesicht hinter den Händen und wusste nicht, was sie sagen sollte. Damit hatte sie nicht gerechnet, sie hatte mit der ganzen Situation nicht gerechnet, obwohl sie es sich doch immer wieder ausgemalt hatte.
Eine Arm legte sich um ihre Schultern, sie hörte Lorelai´s Stimme : „Lass sie endlich in Ruhe, du siehst doch, dass du schon genug angerichtet hast, oder?“ zischen und ließ sich wiederstandslos von ihrer Mutter mitschleifen, weg vom Diner, weg von der Bank, weg von Jess.
Er hielt sie nicht nochmal auf...

Rory fühlte sich elend. Vielleicht sogar ein wenig krank.. Das lag aber nicht an der Sache mit Jess, sondern eher daran, dass sie anscheinend schon länger eine Krankheit mit sich rumschleppte. Sie hatte sich anscheinend bei Lane angesteckt, die schon seit Wochen das Bett hütete.
Perfekt, dachte Rory, die dick eingemummelt auf dem Sofa im Wohnzimmer lag, eine Wärmflasche an den Füßen, einen dampfenden Tee in der rechten Hand und in der Linken das Fieber-thermometer, welches 39° anzeigte. Ihre Stirn glühte und ihre Lungen schienen zum Lufteinatmen nicht mehr wirklich zu taugen. Ihr Hals war staubtrocken.
Im Flur vernahm sie das Geräusch, das ein Schlüssel beim Aufsperren machte.
„Bin wieder daha..“, hörte sie sekundenspäter Lorelai rufen, die beladen mit Einkaufstüten aus dem Doose´s Market, einem riesigen Stapel DVDs und Filmen und Lunchpaketen aus dem Diner das Wohnzimmer betrat. „Und, wie geht´s meinem süßen Schatz?“
Wortlos hielt Rory ihr das Fieberthermometer vor die Nase.
„Oh, meine Arme, 39 Grad? Na, das biegen wir schon wieder in die senkrechte Lage..“
Lächelnd nahm Lorelai ihrer Tochter die Tasse Tee aus der Hand und drückte ihr im Gegenzug ein Becher heißen Kaffee von Luke in die Hand: „Mit freundlichen Grüßen und Gute-Besserungs-wünschen..“
„Danke..“, murmelte Rory, legte die Lippen an den Becherrand und verbrannte sich beim Probieren die Zungenspitze. „Hm, muss noch ein wenig abkühlen..“ Sie stellte den Kaffee auf den Sofatisch und sah ihre Mutter prüfend an: „Hast du Jess getroffen?“
Lorelai presste die Lippen aufeinander, enthielt sich einer Antwort und trällerte dann: „Schau, der Pate, alle Teile... ich pack nur noch schnell die Tacos aus und dann starten wir eine herrliche Fress-orgie.. Sookie bestellt dir auch tausend Grüße.. sie hat dir ein Mousse au Chocolat gemacht.. ich konnte sie nicht daran hindern... aber als sie mir dann ihren gesamten Kühlschrank-Inhalt über-reichen wollte, hab ich sie dann doch noch zu Vernunft gekriegt.. Tailor hat mir sogar die Hälfte der Summe, die ich hätte bezahlen müssen berechnet und hofft, dass du bald wieder auf den Beinen bist..“
„Mom!“ Rory sah sie scharf an: „Hast du ihn getroffen oder nicht?“
„Den Santa-Claus? Ach, Schatz, den trifft man doch erst kurz vor Weihnachten.. ich mach mir lang-sam echt ernsthafte Sorgen um dich..“
Rory seufzte schwer: „Du hast ihn also getroffen... ich hoffe, du hast ihm nicht irgendwelche Szenen gemacht, vonwegen >Wegen dir ist Rory totkrank< und >Lass sie endlich in Ruhe, du machst sie ganz kaputt<...“
Sie sah, wie ihre Mutter leicht zusammenzuckte und riss die Augen auf: „Du hast ihm also solche Sachen an den Kopf geworfen???“, ächzte sie fassungslos. Manchmal könnte sie ihre Mutter echt durchschütteln, da war es ihr total egal, dass sie die Tochter und Lorelai ihr Vormund war.
„Naja.... an den Kopf geworfen nicht, sonst läge er jetzt in der Klinik für Schwerverletzte... aber so ähnlich...“ Sie machte ein betretendes Gesicht. „Ich war nur so geladen...“
„Mom.. das geht dich nichts an, das ist allein meine Sache und da hast du nichts zu sagen, so leid es mir tut!“ Aufgebracht sprang sie auf und schälte sich aus der Decke. „Ich fass es nicht... ich misch mich ja auch nicht in deine Liebes-Angelegenheiten ein, oder?“
Lorelai hielt inne: „Liebes-Angelegenheiten? Was... wieso... ich dachte... du liebst ihn doch nicht etwa noch, oder?“
Rory schwieg zur Antwort. Sie machte ein ertapptes Gesicht.
„Oh, nein..“ Schwer seufzend sank ihre Mutter auf das Sofa. „Nach all dem was dir dieser Mistkerl angetan hat? Siehst du denn nicht, wie er mit dir rumspringt... als.. als wärst du sein Spielzeug... und jetzt wo ihm langweilig ist will er es wieder haben.. glaub mir, ich kenne solche Typen besser als du...“
„Nein, tust du nicht!“, fauchte Rory. „Du hast ihm doch nie wirklich eine Chance gegeben... kein Wunder, das ihn das belastet hat.. alle haben ihn gehasst.. du, Grandma, Stars Hollow... da würde ich auch einfach so abhauen.. klar, er hat mir weh getan... aber hör endlich auf, dich in meine Privat-Angelegenheiten einzumischen!!!“
Mit diesen Worten stampfte sie in den Flur, riss ihre Jacke vom Haken und knallte die Haustür hinter sich zu. Sie hörte, wie sie wieder aufgerissen wurde und Lorelai ihr hinterherbrüllte: „Hey, du bist noch krank!“, aber da war Rory schon um die Ecke verschwunden.

Sie steuerte direkt auf das Diner zu, aber als sie schließlich vor dem Eingang stand, wusste sie nicht, was sie dort überhaupt wollte. Wollte sie zu Jess? Nein, das ging nicht... er war doch für sie gestorben... wahrscheinlich war er nach dem Angriff von Lorelai eh wieder nach New York zurück-gekehrt. So was würde er sich nicht gefallen lassen! Sie hob den Kopf und starrte in das Café. Außer Luke war keiner zu sehen. Er wischte die Tische ab und wand ihr dabei den Rücken zu.
Hastig, bevor er sie noch entdecken konnte fuhr Rory herum und lief mit schnellen Schritten über den kleinen Park zum Wald. Sie wollte sich auf die Brücke setzten, die Beine baumeln lassen und einfach mal die Zeit vergessen. Nachdem Jess sie verlassen hatte, war sie oft zu seinem Lieblings-Platz gegangen und hatte immer wieder heimlich gehofft, ihn dort wiederzutreffen.
Dieses Mal hoffte sie es nicht, doch Jess war da. Mist!
Stumm stand sie im Schatten und sah zu, wie er die Zigarette in seiner Hand trübsinnig anstarrte und sich seufzend durch das dunkle Haar fuhr.
Zu gern hätte sie die Vergangenheit vergessen, hätte sich zu ihm gehockt und ihren Kopf an seine Schulter gelehnt. Hätte einfach die stille Vertrautheit mit ihm genossen und nicht an Morgen ge-dacht. Aber das ging nicht...
Sie drehte sich traurig um und trat dabei auf einen Ast. Es knackte leise, aber in der Stille überall um sie herum war es ohrenbetäubend laut. Na, toll..
„Rory?“
Sie biss sich auf die Lippe, dann drehte sie sich wieder um und trat zögernd ins wabernde Mond-licht. Er starrte sie eine Weile wortlos an, dann schnippte er seine Kippe ins Wasser und stand auf. Langsam näherte er sich ihr und blieb schließlich traurig einen Meter von ihr entfernt stehen: „Was machst du denn hier?“
„Tut mir leid, dass meine Mom dich mal wieder so fertig gemacht hat..“, platzte es gegen ihren Willen aus ihr heraus, anstatt auf seine Frage einzugehen.
Er machte eine wegwerfende Geste: „Immer wieder gern... ich hab ihre Wutausbrüche was mich angeht ja fast vermisst..“
Sie lächelte ein wenig und er kratzte sich ratlos am Kopf: „Du solltest besser nicht hier in der Kälte rumstehen... schließlich hab ich dich ja krank gemacht..“ Der typische und vertraute Spott schwang in seiner Stimme mit.
„Ach, ich hab mich lediglich bei Lane angesteckt...“ Rory war plötzlich verwirrt. Was machte sie hier? Hatte sie sich nicht geschworen, dass sie Jess für immer aus ihrem Leben streichen würde? Warum stand sie dann hier und quatschte mit ihm, als wenn nichts gewesen wäre? Sie wurde aus ihr selbst nicht mehr schlau..
„Trotzdem würde ich dir raten, wieder nach Hause zu deiner Mom zu gehen.. nicht, dass ich dann auch noch schuld dran bin, dass du dir eine Lungenentzündung zugezogen hast...“
Rory senkte den Blick und fixierte ihre Schuhe: „Ich kann jetzt nicht nach Hause!“, sagte sie leise.
„Ach ja?“ Jess runzelte die Stirn, dann schien er zu begreifen, was das heißen sollte. „Hm, na, wo kann ich dich denn dann ins Bett stecken?“
„Weiß nicht....“ Die Tränen kämpften sich in ihre Augen hoch, doch sie versuchte sie krampfhaft zurückzuhalten. „Bleibst du länger in Stars Hollow?“
Er lachte bitter: „Ich wüsste nicht warum... Luke spielt wie immer den Moralapostel, deine Mom flippt bei meinem bloßen Anblick schon aus und der Rest des Kaffs wäre wohl auch nicht wirklich begeistert, wenn ich bleiben würde...“
„Also, fährst du zurück nach New York?“ Ihre Stimme klang zittrig.
Er zögerte. „Hatte ich vor, ja..“, sagte er schließlich und musterte sie prüfend. „Hast du denn was dagegen?“
Sie sah ihn wieder an und wusste nicht, was sie sagen sollte. Eine Träne lief über ihr Gesicht.
„Egal!“ Jess schien ihr Schweigen als >Nein< zu deuten, trat auf sie zu und legte ihr seine schwarze Lederjacke um die Schultern: „Damit du in dem niedlichen Pyjama nicht erfrierst..“
Rory starrte ihn erst begriffsstutzig an, dann dämmerte ihr, dass sie ja ihren peinlichen Schlaf-anzug anhatte und lief leicht rot an: „Danke..“
Er grinste nur, nahm ihre Hand und zog sie mit sich. Sie wollte sich wehren, aber dann merkte sie, dass er in Richtung Zuhause stiefelte. Wiederstandslos ließ sie sich mitschleifen. Es war ihr auf einmal alles egal. Selbst die Wut auf ihre Mutter war weg.
Jess blieb vor der Haustür stehen, wand sich Rory zu und strich ihr plötzlich zärtlich über das ver-weinte Gesicht: „Du hast mir so gefehlt..“, sagte er leise und hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. Sie sah aus rotgerändeten Augen zu ihm hoch und war kurz davor all ihre guten Vor-sätze zu missachten und ihm um den Hals zu fallen.
In diesem Moment wurde die Haustür aufgerissen und Lorelai starrte erst Rory an, dann Jess und dann wieder Rory.
„Ja, ich geh dann mal..“, sagte Jess hastig, bevor Lorelai loszetern konnte, warf Rory nochmal einen traurigen Blick zu und stiefelte los, weg von ihrem Haus.
Rory sah ihm stumm hinterher.

Den nächsten und den übernächsten Tag wechselten Mutter und Tochter kaum ein Wort, und wenn, dann so einsilbig und oberflächlich wie nie..
Man konnte nicht mal sagen, dass beide Gilmores irgendwie wütend waren. Eher verzweifelt! Zum 1. Mal waren beide ratlos und konnten sich gegenseitig nicht helfen. Lorelai verfluchte die leise Ahnung, dass ihre Tochter wieder Jess verfallen könnte und Rory verfluchte ihre Gefühle, die ihren Willen unmöglich zu Wort ließen.
Schließlich entschloss sie sich endlich das Schweigen zu brechen. Mit einer großen, dampfenden Tasse Kaffee aus dem Diner kam Rory zu Hause an und fand Lorelai in der Küche, mit zusammen gezogenen Brauen in eine Zeitschrift vertief.
„Hier!“ Zögernd stellte Rory den Kaffee vor ihre Mutter auf den Tisch.
Die sah verwundert auf und lächelte dann: „Danke... also... sollen wir aufhören, so interessante Gespräche von morgens bis abends zu führen?“
„Ich denke, wir können auf das redselige Schweigen dankend verzichten..“, grinste Rory und hockte sich mit an den Tisch.
„Da könntest du Recht haben!“ Erleichternd seufzend ließ Lorelai die Zeitschrift sinken und nippte an ihrem Kaffee. „Und? Wie geht es dir?“
Rory sah auf ihre Hände und seufzte ebenfalls: „Keine Ahnung...“
„Ach, Süße, vergiss Jess endlich... du tust dir selbst einen Gefallen, glaub mir!“
Rory hob den Kopf, kaute auf ihrer Lippe herum und meinte schließlich leise: „Ich will ihn aber nicht vergessen..“
„Ehm... was?“ Lorelai runzelte die Stirn.
Rory sah ihr fest in die Augen: „Ich liebe Jess!“
„Was?“
„In den letzten zwei Tagen hab ich viel nachgedacht... und ich denke, ich sollte ihm noch eine Chance geben..“
„Was?“
„Mom, er fehlt mir so sehr.. bitte versteh mich doch...“
Lorelai starrte ihre Tochter entgeistert an: „Das ist nicht dein Ernst, oder?“
„Ehm, doch... das ist mein voller Ernst..“ Erschrocken beobachtete Rory, wie ihre Mutter aufsprang, die Tasse so sehr auf den Tisch knallte, dass der Kaffee nur so spritzte und sagte: „Ich verbiete es dir, Rory!“.
Sie sah ihre Mutter erstaunt an, stand dann ebenfalls auf und sagte verärgert: „So etwas kannst du mir nicht verbieten.. ich bin 16, also kein kleines Kind mehr... die Zeiten mit den 1000 Vorschriften sind vorbei!“
„Quatsch, die haben nie existiert!“, widersprach Lorelai hefitg. „Aber ich bin die Mutter und du die Tochter und ein wenig zu Sagen hab ich auch.. also, ich verbiete dir den weiteren Umgang mit Jess!“
„Du kannst mir gerne verbieten Blumenkohl zu essen oder Dido zu hören, aber was die Sache mit Jess angeht, da hast du leider überhaupt nichts zu melden, tut mir sehr leid!“
„Rory, zum allerletzten Mal: Entweder du kommst langsam wieder zu Vernunft, oder ich werde mal kurz aufhören die coole Mommy zu spielen..“
„Damit hast du längst aufgehört!“, schrie Rory wütend.
Lorelai hielt inne und starrte sie an. Sofort taten Rory ihre Worte leid, doch es war zu spät.
Ohne ein weiters Wort rauschte ihre Mutter aus der Küche. Einen Augenblick später fiel die Tür ins Schloss.
Rory sank zurück auf ihren Stuhl und starrte stumm auf die hölzerne Tischplatte.
Eine Weile wusste sie nicht, was sie tun sollte. Dann stand sie schniefend auf, ging in ihr Zimmer und begann hastig zu packen..

Jess hockte wieder in seiner versifften Wohnung, zappte durch das alles andere als vielversprechende Fernsehprogramm und fühlte sich außer elend, auch noch ziemlich angekotzt von dem vielen Fastfood, dass er vor wenigen Minuten verdrückt hatte.
Von wegen, Schokolade hilft gegen Liebeskummer. Genervt schmiss er die angebrochene Schokotafel hinter seine Schulter und schaltete den Fernseher aus.
Er stand auf, zog eine verknitterte Zigarette hervor und zündete sie an. Das Feuerzeug achtlos auf sein Bett werfend schlurfte er zu dem Fenster und starrte hinaus in den wie immer wild laufenden Verkehr von New York. Jetzt bin ich wieder hier, dachte er wehmütig. Und lass mich wieder hängen. Nur wozu? Was bringt mir das ganze Rumhocken und Trauern? Gar nichts..
Seufzend wollte Jess sich wieder auf sein Bett hocken, als es an der Tür im Flur klingelte.

Das musste Lizz sein. Sie hatte mal wieder einen Exfreund mehr und nun war ihr wohl endlich mal wieder eingefallen, dass sie ja einen Sohn hatte, an dem sie ihre Wut auslassen konnte.
Schwer seufzend drückte Jess seine Zigarette aus, ging so langsam wie es nur ging in den Flur und riss dann schwungvoll die Tür auf. Er hielt inne und starrte auf eine sehr blasse und verweint aus-sehende Rory.
„Was...?“
„Kann ich reinkommen?“ Sie wischte sich schluchzend die Tränen aus dem Gesicht.
In ihrer Hand trug sie einen Koffer.
15.12.06 20:07
 


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